Frankfurt: Gigantische Evakuierungsaktion wegen Bombenentschärfung

Frankfurt – Die größte Evakuierungsaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte steht bevor: Mehr als 60.000 Menschen müssen ihre Häuser verlassen, um eine britische 1,8 Tonnen schwere Bombe zu entschärfen. Gefunden wurde diese auf einer Baustelle in der Wismarer Straße. Aktuell laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten die Verantwortlichen über die genauen Details. Angesetzt ist die Entschärfung für kommenden Sonntag, 3. September. Ab 6 Uhr beginnen die Evakuierungsmaßnahmen, die bis spätestens 8 Uhr abgeschlossen sein müssen. Man rechne damit, dass gegen 20 Uhr die Absperrungen in dem 1,5 Kilometer-Radius wieder aufgehoben werden können.

Ganz wichtig ist nicht nur die Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen und Behörden, sondern auch die betroffenen Bürgerinnen und Bürger müssen den Anweisungen folgen. „Es bleibt keine Zeit für Diskussionen. Denn das würde den gesamten Zeitplan durcheinander bringen“, betonte Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank. Im Internet hat die Feuerwehr einen Plan veröffentlicht, der das betroffene Gebiet zeigt. Im Umkreis von 1,5 Kilometern darf sich dann niemand mehr aufhalten. „Da wird es keine Ausnahmen geben“, so Frank. Bis spätestens 8 Uhr müssen alle Häuser sowie das Gebiet leer sein. Daher appellierte er an die Bevölkerung, sich möglichst schon jetzt Gedanken zu machen, wie man den Sonntag verbringen kann. Wenn alles planmäßig verläuft, soll die Sperrung gegen 20 Uhr aufgehoben sein. Für alle Personen stelle die Situation „eine große Herausforderung dar“, hob der Ordnungsdezernent hervor.

Krankenhäuser und Altenheime betroffen / Schienenverkehr wird eingestellt

In einem vierstelligen Bereich setzt die Polizei ihre Beamten sein. „Wir überwachten die Räumung. Alleine die Überprüfung, ob jeder sein Haus verlassen hat, nimmt etwa vier Stunden in Anspruch“, erklärte Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Vorgesehen ist die Entschärfung in der Zeit zwischen 12 und 16 Uhr. „Nach der Entschärfung bleiben die Absperrungen aufrechterhalten, um kranke und ältere Menschen sicher in ihre jeweilige Unterkunft zu transportieren“, sagte Bereswill. Neben zwei Krankenhäusern sind auch rund 20 Altenheime betroffen. Hier wird derzeit erhoben, wie viele Spezialfahrzeuge und Helfer erforderlich sind. Der Verkehr wird zudem am Sonntag weiträumig umgeleitet. In der Sperrzone können sämtliche Busse und Bahnen nicht fahren. Da das Polizeipräsidium ebenfalls in der Zone liegt, muss die Leitstelle an eine andere Örtlichkeit verlegt werden. Die Sicherheit ist aber jederzeit gewährleistet.

Während seines Urlaubes wurde Dieter Schweitzer über den Fund der Bombe in Kenntnis gesetzt. „Das ist für uns eine Herausforderung – ein Wahnsinngsereignis. Bei dieser Art von Bombe, die über drei mechanische Aufschlagzünder verfügt und in der noch knapp 1,4 Tonnen Sprengstoff enthalten sind, ist der Aufwand sehr groß“, sagte der Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Regierungspräsidiums Darmstadt. Sprengmeister René Bennert ergänzte: „Es gibt unterschiedliche Verfahren, die angewendet werden können. Eine Sprengung ist nicht vorgesehen. Das hätte nämlich zur Folge, dass durch die Druckwelle Fenster zersplittern und Dächer abgedeckt würden“. Nicht auszuschließen ist es, dass im Laufe der Maßnahmen eine sogenannte Wasserstrahlschneideanlage eingesetzt werden muss.

Betreuung für Betroffene / Bürgertelefon eingerichtet

Für rund 10 Prozent der Betroffenen sollen Unterbringungsmöglichkeiten eingerichtet werden. So stehen neben zwei Messehallen auch die Jahrhunderthalle sowie die Ballsporthalle zur Verfügung. „Weitere Bürgerhäuser und Turnhallen wären ebenfalls nutzbar, falls mehr Bedarf bestehen würde. Derzeit sind wir dabei, die Transporte zu organisieren“, sagte Thomas Jackel, Amtsleiter der Feuerwehr Frankfurt. Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Arbeiter-Samariter-Bund und Malteser Hilfsdienst werden mit knapp 1.000 Kräften im Einsatz sein. Für die Menschen ist ein rund um die Uhr besetztes Bürgertelefon geschaltet – die Rufnummer lautet 069/212-111. Das Bürgerhospital -inklusive größer Geburtsstation Hessen- richtete ebenso eine Hotline (069/15005929) für Patienten und Angehörige ein. Geplante Operationen wurden darüber hinaus verschoben.

Weitere Informationen rund um die Evakuierung

Sollte jemand nicht freiwillig den Bereich verlassen, kann die Polizei die Durchsetzung auch unter Zwang anwenden. „Das möchte natürlich niemand. Daher bitten wir alle, sich an die festgelegten Zeiten und Absperrmaßnahmen zu halten“, so die Verantwortlichen. Weiterhin wird dazu aufgerufen, die Notrufnummern 110 und 112 keinesfalls für allgemeine Fragen nutzen. Diese sind für Notfälle bestimmt. Einen detaillierten Plan der Evakuierungszone ist hier abrufbar. Die wichtigsten Fragen sind in dieser Liste zusammengestellt und werden fortlaufend ergänzt. Weitere Informationen zudem auf www.feuerwehr-frankfurt.de und auf der Homepage des Polizeipräsidiums Frankfurt.

Bilder: Feuerwehr Frankfurt; Screenshot „geoinfo.frankfurt.de“
Text: Daniel Klier (Feuerwehren Metropolregion Rhein-Neckar)

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